Ausgrabungen | Baiovarisch
Horscaningun – Die Entstehung des Namens Herrsching
Die älteste bekannte Form des Namens Herrsching lautet Horscaningun/Horscaninga, überliefert in einer Schenkungsurkunde des Jahres 776. Der adlige Grundbesitzer Isanhart vermacht hier seine vielen Besitztümer an das Kloster Schlehdorf am Kochelsee, das kurz zuvor von Angehörigen der alten Adelssippe der Huosi gegründet worden war.
Wie die meisten Ortsnamen auf -ingen/-ing ist Horscan-ingun ein sog. Insassen-Name und bezeichnet den Ort, an dem sich die Angehörigen oder Gefolgsleute des Anführers niedergelassen haben. Diese benannten sich mit dem Namen ihres Anführers und einem Suffix -ing zur Bezeichnung der Zugehörigkeit, die „Horscan-inge“ waren also die Leute des Horscan, ad/ze Horscaningun bedeutete „Bei den Horscan-Leuten“; die Form Horscaninga hat eine lateinische Endung, wie Roma oder Augusta Vindelicum „Augsburg“.
Ortsnamen dieses Typs sind die ältesten im Voralpenland und waren In der Gründerzeit des ersten bayerischen Herzogtums der Agilolfinger, im 6. Jahrhundert, weit verbreitet.
Dass der Anführer und „Gründer“ Horscan eine bedeutende Persönlichkeit war, zeigt die Bildung seines Namens. Er enthält als Stamm ein altes, ausgestorbenes Adjektiv horsc „schnell, scharfsinnig“, erweitert durch ein Suffix -an. Solche Erweiterungen dienten der Bekräftigung, Verstärkung des Grundworts. Es gab sie schon lange, z.B. im Namen des Gottes Wotan – einem bedeutsamen heidnischen Namen, der noch bei den Mönchen des 8. Jahrhunderts als Rufname beliebt war.
Im 7. Jahrhundert wurden die Namens-Erweiterungen, besonders im fränkischen Westen des Merowingerreichs, ein Ausdrucksmittel des „selbstwussten Adels“ (Haubrichs). Da die Huosi-Sippe fränkisch-karolingisch orientiert war, gehörte Horscan, der adlige Anführer der ersten Herrschinger Siedler, sehr wahrscheinlich zum Huosi-Adel – wie später die ersten Freisinger Bischöfe, z.B. Atto, der vormalige Abt des Huosi-Klosters Schlehdorf und Verfasser der Horscaningun-Urkunde von 776.
Der Name Horscaningun bestätigt also, was schon der Ausgräber E. Keller aufgrund der prunkvollen Bestattungen in den Adelsgräbern festgestellt hatte: Herrsching war „im frühen Mittelalter ein bedeutendes Zentrum politischer Machtausübung“.
Haubrichs, Wolfgang: Stammerweiterung bei Personennamen: ein regionalspezifisches Merkmal westfränkischer Anthroponymie? In: Geuenich, D. & Haubrichs, W. & Jarnut, J. (Hgg.): Nomen et gens. Zur historischen Aussagekraft frühmittelalterlicher Personenamen. Berlin-New York 1997, S. 190-209
Keller, Erwin: Der frühmittelalterliche „Adelsfriedhof“ mit Kirche in Herrsching a. Ammersee, Lkr. Starnberg. In: Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 32/33, 1991/92 (1995), S. 7-68
